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Die Liebfrauenkirche

Anschrift

Berliner Straße / Herzbergstraße
61440 Oberursel

Öffentlicher Nahverkehr

U-Bahn-Linie U3 Station "Oberursel Stadtmitte"

Vorüberlegungen

Im Winter erscheint die Liebfrauenkirche in ihrer ganzen Größe
Mit dem stetigen Wachstum der Stadt Oberursel wuchs auch die Zahl der Katholiken. Die alte St. Ursula-Kirche war zu klein geworden. Vordringlich im Norden der Stadt ergab sich die Notwendigkeit, einen neuen Gottesdienstraum zu schaffen. Man erwarb das Grundstück zwischen Berliner Straße und Herzbergstraße und begann 1961 mit der Planung eines Kirchenneubaus. Die Pläne lieferte Prof. Dr. Rudolf Schwarz, der die Vollendung seiner Idee leider nicht mehr erleben durfte, da er während des Baus verstarb. Seine Frau, Architektin Maria Schwarz, führte die begonnenen Arbeiten weiter.

In einer von Herrn Jürgen Krick zusammengestellten Chronik erfahren Sie weitere Details der Kirche und der Kirchengemeinde Liebfrauen.

Die Architektur

Zur Architektur der Kirche schreibt ihre Erbauerin Maria Schwarz: "Ein Kirchbau soll Abbild seines Schutzpatrones sein. Für mich war es eine besondere Freude, dass dieser große Auftrag eine Liebfrauenkirche werden sollte.
Die allererste Arbeit nämlich, die ich mit meinem Mann ausführte, war die Planung der Inneneinrichtung der im Kriege zerstörten Liebfrauenkirche in Trier gewesen. Bei dieser Arbeit hatte ich gelernt, dass ein Bau mehr ist als die Hülle für das Tun des Menschen, daß er Abbild sein kann einer Form des Lebens, einer Ordnung in der Welt, daß er sogar Abbild und Inkarnation des Menschen sein kann ...
Liebfrauen (Trier)ist in drei Zonen übereinander gebaut, in der untersten ist die Rose, die in zwölf Konchen erblüht aus dem Mittelgeviert, um das vier starke Bündelpfeiler stehen; dann wird es zum Kreuz, und oben ist es Kuppel. Rose, Kreuz und Kuppel sind aufeinander gestellt. Die Kirche, die hier entstanden ist, hat die Liebfrauenkirche zu Trier zur Mutter, das kann man im Grundriss deutlich ablesen, aber sie wurde doch ein ganz eigener Bau, vielleicht eine bescheidene, einfache Tochter."

Grundriss

Der Grundriss
Der Grundriss der Kirche stellt ein gleicharmiges Kreuz dar. Drei der Kreuzarme sind von der Gemeinde gefüllt. Der vierte Arm fasst die große Orgel und den Platz für den Chor. Der Altar steht in der Vierung, um drei Stufen erhöht. Die Konchen in den Kreuzungswinkeln ergänzen den Kreuzgrundriss zum Symbol der Rose und greifen so das Patrozinium der Kirche auf: Maria, die "rosa mystica", die geheimnisvolle Rose, die höchste Lobpreisung Gottes. Die drei Schiffe der Kirche schließen die Gemeinde zu einem großen, offenen Ring zusammen, der um den Altar steht. Sie bildet, wenn sie zusammentritt, den offenen Ring, die Urgestalt der Orante-Haltung, die Priester heute noch einnimmt bei den Gebeten, die er spricht. Der Chorraum unterbricht diesen Ring, hier tritt das unendlich Offene in den Ring der Gemeinde.

Kirchenraum und Fenster

Teil eines Fensters in der Liebfrauenkirche
Unverputzter Backstein und Sichtbeton bestimmen die Wandflächen der Kirche. Der Backstein hat ein schönes, mosaikartiges Farbenspiel und bestimmt mit seinem Rot den Farbton des Raumes. Die vier tragenden Mittelpfeiler sind, ebenso wie die Rippendecke, aus Beton. So entsteht eine Materialeinheit am Bau von Backsteinmauerwerk und Beton.

Die Fenster der Liebfrauenkirche des Kärntner Künstlers Giselbert Hoke passen sich der Grundstruktur und Symbolik der Kirche an, die aus der Natur genommen sind. Sie greifen das Lob Gottes aus der Schöpfung auf, wie es sich im altestamentlichen Lobpreis der Jünglinge im Feuerofen (Dan 3) darstellt. Die Glasgemälde der Fenster verwenden volle Farben, die in lichtspendendes Weiß und in zarte gelbe, rote und blaue Farben ausstrahlen.

Innenausstattung

Die Madonna von Georg Hieronymi
Die Innenausstattung geht zu wesentlichen Teilen auf den Oberurseler Künstler Georg Hiernonymi zurück, der die große Madonna, die Priestersitze, den Kreuzweg und zwei großflächige Wandteppiche in der Taufkapelle schuf. Den Tabernakel schuf Friedrich Gebhart aus Roxel/Westfalen. Er wird umfasst von einem goldenen Band, das mit Bergkristallen übersät ist und an den Mannasegen in der Wüste erinnert. Der Taufstein ist ein Werk des Kirchenbaumeisters Rudolf Schwarz.

Klais Orgel

Die Klais Orgel in der Liebfrauenkirche
Die große Orgel entstand 1970 und ist ein Werk der Bonner Orgelbauwerkstatt Klais. Mit 52 klingenden Registern auf 4 Manualen und Pedal ist sie eines der bedeutendsten und größten Orgelwerke im Rhein-Main-Gebiet. Ihr Klang ist außer zu den Gottesdiensten regelmäßig in Konzerten und auch auf CD (im Pfarramt Liebfrauen erhältlich) zu bewundern.
Mehr über "Besondere Gottesdienste" und Konzerte erfahren Sie auf der Seite des Förderkreises Liebfrauen. Die Disposition der Orgel ist hier beschrieben.

Laudatio Organi - Gedanken zur Liebfrauen-Orgel, Oberursel

Der Philosoph Johann Gottfried Herder hat einmal gesagt, dass die Klänge der Orgel „Nachklänge des Schöpfungsliedes“ seien. Betrachtet man die Vielzahl von Materialien, die in einer Orgel verwendet werden, die Buntheit der Register und ihre Mischungsmöglichkeiten, so ist dieses Bild gut nachzuvollziehen. In diesem Nachklingen des Schöpfungsliedes hören wir heute schon den hoffnungsfreudigen Vorausklang auf den Jubel der Erlösten bei Gott mit. „Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel“ (Psalm 126, 2).

„Malerei ist die Kunst, Geschautes geläutert wiederzugeben; Plastik ist die Kunst, Formen zu erfüllen; Architektur ist die Kunst der Zuordnung der Lebensräume; Musik ist die Kunst, höchste Mathematik zu durchseelen – Orgelbau aber ist die Kunst, Malerei, Plastik, Architektur und Musik in einem zu sein.“ (Walter Supper)

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Nachdem zunächst ein Orgelpositiv als Provisorium gedient hatte, konnte am 10.10.1970 die neue Orgel eingeweiht werden. Vorausgegangen waren fünf Jahre intensiver Planung, um musikalische, gestalterische und technische Belange abzustimmen und architektonisch auf den Kirchenraum zu beziehen. Die Finanzierung eines solch mutigen (und vermeintlichen Prestige-)Projekts war nicht unumstritten und bedeutete für die junge Kirchengemeinde durchaus ein Wagnis. Verdienste erwarb sich hierbei der erste Gemeindeleiter von Liebfrauen, Pfarrer Erich Einig, der weitblickend und engagiert die Voraussetzungen schuf, die Idee einer wirklich hochwertigen Orgel zu realisieren, die im Detail wie im Gesamtaufbau hohe Könnerschaft beweist. Der künstlerische Wert des „Gesamtorganismus Orgel“ setzt ein harmonisches Zusammenspiel von Architektur, Prospektgestaltung, Zuordnung der Teilwerke und einer hochpräzis vollendenden Intonation voraus. Entscheidend war nicht allein, was eine Orgel koste, sondern auch was sie wert sei im Hinblick auf Jahrzehnte und mehr: Eine gute Orgel überdauert Jahrhunderte...

Als Platz für die Orgel sah der Plan des Architekten die kleine Empore über dem Haupteingang vor, ohne jedoch die realen Ausmaße des späteren Instruments zu berücksichtigen; dies hätte nicht nur statische Probleme aufgeworfen. Für die Liebfrauenkirche – als Bau zentral gedacht im Grundriss eines griechischen Kreuzes – bot sich stattdessen an, die Orgel ebenerdig in die Ostapsis zu stellen. Dass die Orgel in der Kirche damit einen neuen gestalterischen Akzent setzt, Eigenständigkeit zeigt, ist kein Widerspruch, sondern beglückende Lösung der Aufgabe, 'Architektur in Architektur' zu bauen. Die Orgel beherrscht in vornehmer Größe die Ostapsis, ist so auch sichtbar in das liturgische Geschehen miteinbezogen und lässt den Eindruck entstehen, die Orgel trage die Musik der Gemeinde gewissermaßen entgegen. Der Raum, der gleichsam „mitspielen und mitschwingen“ will, wird von der Ostapsis klanglich in idealer Weise erfasst. Der Zuhörer empfindet dies als Vorteil: Er hört das Instrument von vorne, sodass Nuancierungen der Interpretation nicht verloren gehen.

Anspruchsvoll der Dispositionsentwurf: Ein viermanualiges Werk mit 52 Registern durfte es werden. Dabei wurde der Gedanke stilhistorischer Authentizität – etwa einer nord– oder mitteldeutschen Barockorgel – ausgeschlossen. (Das Klangbild einer französisch-romantischen Orgel war damals ohnehin noch nicht en vogue.) Vielmehr wurde eigenes Profil und ein vielgestaltiges Dispositionskonzept erstrebt, in das barocke, romantische und moderne Stilelemente, ja sogar nationale Besonderheiten (französischer Zungenchor und Cornet, Spanische Trompeten und Vieja als Öffnung zur romanischen[!] Orgel hin) unbedenklich hereingenommen wurden, sofern die farblichen Valeurs einem homogenen Orgelklang dienen: Großzügige Klangressourcen also, die es ermöglichen, ein breites, polyvalentes Spektrum der Orgelliteratur – wenn nicht authentisch, so doch plausibel – darzustellen. Den Auftrag erhielt die renommierte Orgelbaufirma Klais (Bonn), die in unserem Bistum u. a. die Domorgeln in Limburg und Frankfurt gebaut hat. (Zur Einweihung galt die Liebfrauen-Orgel als das schönste Instrument im Bistum).

Der Aufbau des Instruments zeigt eine bemerkenswerte Unabhängigkeit von konventioneller Gehäusegestaltung, folgt jedoch trotz seiner Asymmetrie dem klassischen Werkprinzip, nach dem die Orgel klanglich und architektonisch aus eigenständigen Teilwerken aufgebaut und äußerlich sichtbar gegliedert ist. Im stark eingezogenen Unterbau befindet sich über dem viermanualigen Spielschrank (Nussbaum) das Brustwerk: Im Prospekt Krummhorn 8' mit sanftem Schwung im Pfeifenverlauf. Eine barocke Bauweise aufgreifend, ist es mit Doppelfalttüren versehen, die die Klangstärke variabel schattieren. „So bietet sich das Brustwerk – auch wegen seiner unmittelbaren Nähe zum Chorraum – bervorzugt für das Continuospiel an. Darüber, nach rechts versetzt, liegt das Hauptwerk mit Praestant 8‘ und zwei horizontalen Zungenstimmen. Ebenso sind die offenen 8‘-Pfeifen des hochgebänkten Cornet sichbar. Oberhalb des Hauptwerks befindet sich das Oberwerk mit Pfeifen von Gemshorn 8‘ (soweit im Prospekt zylindrisch gebaut) und Praestant 4‘ in der Front. Die beiden großen linken Prospektfelder mit den Pfeifen von Praestant 16‘ gehören zur Pedallade, die etwa auf der Höhe des Oberwerks liegt. Unter der Pedallade befindet sich das Schwellwerk. Infolge des hochgestaffelten Aufbaus (Höhe fast 13 m) konnte das Instrument mit recht geringer Tiefe gebaut werden, sodass eine gute Klangabstrahlung in der halligen Kirche weitgehend erreicht wird.“ (Hans Gerd Klais) Symphonische Orgelmusik der Romantik beispielsweise rechnet ohnehin mit stärkerem Nachhall; vier Sekunden sind da ein guter Wert, um den weiten Kirchenraum, der auch eine Art Resonanzkörper bildet, zu füllen, ohne ihn zu beherrschen. Voraussetzung für einen so gearteten Aufbau ist das Stahlgerüst mit schweren Profilen, das den Windladen und der Traktur den notwendigen Halt gibt. Orgeln „kleben“ meist mit dem Rücken an der Wand – nicht so die Liebfrauenorgel: Freistehend vor der dunkelroten Klinkerwand sind alle den Raum begrenzenden Linien sichtbar. Die Orgel enthüllt sich dem Betrachter nicht punktuell wie ein Bild, sondern skulptural, und fügt der Raumwirkung so eine besondere Komponente hinzu.

Der aufstrebende Prospekt, das „Gesicht der Orgel“, besticht durch fantasievolle Gliederung, sorgsam gewählte Proportionierung der Pfeifenfelder sowie Höhenstaffelung und – quasi rhythmisiert – Überschneidungen durch Gegenläufigkeit . Asymmetrie tritt als bereicherndes Gestaltungsmoment hinzu. Auch das Verhältnis von (schmalem!) Orgelfuß und eigentlichem Prospekt ist wichtig für den optischen Eindruck dezenter Eleganz. Denn ein zu geringer Einzug des Untergehäuses ließe die Orgel plump und klobig erscheinen. Dass die Jalousien des Schwellkastens hinter den schlanken Füßen fast unsichtbar bleiben, erhöht noch die Einheit und Dynamik der Frontalansicht (vgl. auch Klais-Orgel St. Bartholomäus, Bergrheinfeld). Ein architektonischer Blickfang ist sicher die kräftige Ballung der waagerecht aus der Lade herausragenden Schalltrichter. Erstmals im 17. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel gebaut, heißen sie auch „Spanische Trompeten“. Radial gespreizt wirken sie, auch infolge ihres Aufwurfes am vorderen Pfeifenbecher, optisch sehr reizvoll, während sich die darunterliegende Vieja 8' mit ihren sehr klein gehaltenen Bechern zierlich ausnimmt. Die Spanischen Trompeten transponieren die Silhouette der vertikalen Pfeifen ins Horizontale.

Zur Struktur des Orgelprospektes gehört die ornamentale Gestaltung. Die Schleierbretter (besser: Schallbretter) oberhalb der Pfeifenenden in Splitter-Stabform dienen aber nicht nur der Zierde, sondern begünstigen die Vermischung der Pfeifenklänge. Die starke architektonische Gliederung des Prospektes wird in der Farbgebung des Gehäuses bewusst nicht verstärkt, doch Farbe schafft auch Korrespondenz: Das Gehäuse aus gebeizter Esche ist farblich den Kirchenbänken angepasst. Gleichwohl – die Orgel ist zu allererst Musikinstrument, bei dem das Äußere nicht für sich allein entsteht, sondern als Synthese aus simultan angestellten Überlegungen von Raum, Musik und Orgeltechnik.

Das Gehäuse schafft eine gute Resonanz für die nebeneinander und übereinander gebauten Teilwerke. Deren Einzelcharakteristik – etwa der Registergruppe der Flöten – bleibt erhalten; so im Hauptwerk die der großen weiten Flöten: Rohrflöte 8‘, Blockflöte 4‘, auch das französische Cornet 5-fach mit offenem 8‘. Im Oberwerk sind die mehr solistischen Register Quintade 8‘ und die aparte, überblasende Holztraverse 4‘ neben den höheren Einzelstimmen Nasard und Terz zu finden. Das Schwellwerk, ein unentbehrliches Teilwerk zur Darstellung romantischer Orgelmusik, verfügt – fein abgestimmt – über Flöten und Streicher wie die weiche Holzflöte 8‘ (quasi gravierender Holzprinzipal), das lämmersanfte Flötgedackt 4‘, die weitlabierte, lichte Waldflöte 2' und die entrückt klingende, sanfte Gambenschwebung, die in Zeiten antiromantischer Prüderie dennoch disponiert wurde. Die charmante Rohrflöte 4‘ und die hellflötige Quinte 1 1/3' (als „Brücke“ zur Terzcymbel) geben dem Brustwerk eine frische Plastizität – bei bester Abstrahlung für den Spieler, der ja sonst eher im Klangschatten des Instruments sitzt. Im Pedal bringen Subbass 16' und Quinte 10 ²/3' (Mahagoni) das Intervall einer Quinte hervor, das in unserem Ohr als „Kombinationston“ die nächsttiefere Oktave (32') hervorruft; das rundflötige Nachthorn 2' lässt die vier Oktaven höhere Sopranlage erklingen.

Die Principale in hochprozentigen Zinnlegierungen, die der Orgel ureigene Registergruppe, zeichnet warme und kantable, dabei substanzreiche Tongebung aus. Der charakteristisch färbende Sesquialter ist im Diskant – als moderne Klangprägung – um eine None 8/9' erweitert und bewirkt eine lebendige Veränderung des Obertonspektrums; die glitzernde Helligkeit des Sifflet 1' führt hin zu den Mixturen: Auflichtende Klangkrone jeder Orgel, fügen sie sich organisch in den Gesamtklang und verleihen dem Werk einen festlich-gleißenden Glanz, ohne in höheren Lagen schrill und grell hervorzustechen. Brilliante Mixturen entfalten eher Leuchtkraft als Schärfe: im Hauptwerk gewissermaßen in Altsilber gehalten, im Oberwerk von kühlerer Brillianz, im Schwellwerk hat die Acuta verhältnismäßig tiefliegende Chöre, sodass sie mehr Klangfülle als -spitze erzeugt; die Terzcymbel im Brustwerk dagegen als irisierende Klangkrone.

„Die 12 Zungenstimmen sind abwechslungsreich disponiert und mensuriert: Die Trompeta magna 16' zählt aufgrund ihrer direkten Absprache in den Raum zu den besonders charakteristischen Stimmen, in solistischer Funktion wie im organo pleno. Auch die Vieja 8' ist horizontal angeordnet, optisch unauffälliger: gedrechselte Holzbecher mit Elfenit-Plättchen. Ihr schmiegsames, cembaloartiges Timbre ist eine klangliche Kostbarkeit; als solistisches Regal lässt sie sich vorzüglich mit leisen Flöten begleiten. Die anderen Zungen stehen auf der Lade: neben der mischfähigen Trompete 8' des Hauptwerks (mit typisch „deutscher“ Charakteristik) die elegant in altfranzösich-elsässischer Mensur gehaltenen Zungen Fagott 16', Hautbois 8' (lyrisch) und Clairon 4' (schmetternd) im Schwellwerk. Im Oberwerk entsprechen die halblangen Zungenstimmen Dulcian 16' und Schalmei 8' mit dunkel bis weich singendem Ton der Bauweise des deutschen Barock; schließlich das musettehafte Krummhorn 8' des Brustwerks, mit dem vorzugsweise die horizontale Vieja 8' in Dialog treten kann. Auch der Zungenchor des Pedals ist nach Material und Mensur auf ein differenziertes Registrieren hin disponiert: Posaune 16' mit flachen geschlossenen Messingkehlen, Holzstiefeln, Bleiköpfen und Kupferbechern; Holztrompete 8' mit Ebenholzkehlen sowie Stiefeln und Bechern aus Mahagoni; Zinke 4' mit Messingkehlen französischer Bauart, Zinnstiefeln, Bleiköpfen und Messingbechern.“ (H.G.Klais) Die Realisierung des vorgesehenen Kontrafagott 32' ist dem Orgelwerk bislang versagt geblieben: In der letzten Planungsphase war der Orgelbauer leider davon abgerückt, wohl aufgrund zu geringer Gehäusehöhe (stattdessen: Quinte 10 2/3'). Allerdings plädierte er für einen späteren Einbau hinter dem Stimmgang. Mit Kontrafagott 32' würde das Bassfundament des Pedals noch eine wünschenswerte Grundierung erfahren: als profunder Kernklang und proportionsrichtige Weiterführung des Manualpleno (drei 16' Zungen!) in die Tiefe (12 Pfeifen – beherzte Sponsoren gesucht!).

Die Orgel besitzt eine sensibel reagierende, mechanische Traktur und zur Spielerleichterung eine elektrische Koppelanlage; 1995 wurde(n) eine Setzeranlage, 2008 fünf Oktav-Koppeln eingebaut. Die vier Tremulanten (erfreulicherweise auch im Hauptwerk) erzeugen Winddruckschwankungen, die den Pfeifenklang in der Höhe periodisch minimal beeinflussen. Der statische Orgelklang erhält dadurch eine belebende Bebung: von ruhig-verhalten über deklamatorisch bis leuchtend – je nach Manual- und Registerwahl. Gleichwohl mag der gute Geschmack seine (zu) häufige Verwendung begrenzen.

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Dem Orgelbauer ist in unserer Kirche ein besonders schönes und repräsentatives Werk gelungen in Konsonanz von optischer Hinführung und jenem akustischen Ereignis, das den Spieler nur schwer entlässt. Denn der Organist ist beglückt über den fast unerschöpflichen Fundus an Klangmöglichkeiten, über Flair und Adel der Einzelstimmen und die opulente Pracht des vollen Werks. Und die 3814 Pfeifen geben gern eine Probe ihres Wohlklangs, der sich mit soghafter Wirkung steigert vom zartesten Sphärenhauch bis zur glanzvollen Strahlkraft und Wucht des Fortefortissimo. Auch die Glasmalerei stimmt mit glutvollen Farben ein in die „Laudatio Organi“. Wenn sich im wunderbaren Halbdunkel des Raumes das Sonnenlicht in den Kirchenfenstern bricht, tauchen die Strahlen das Zinn der Pfeifenfelder atmosphärisch in schimmerndes Licht: kontrastreich zum schönen, mosaikartigen Farbenspiel des roten, unverputzten Backstein-Mauerwerks verschmelzen Raum und Klang, Licht und Musik: milde am Morgen, glänzender am Abend.
Charles Marie Widor sagte zu Albert Schweitzer: „Als die Strahlen der untergehenden Sonne in verklärter Ruhe das dämmrige Schiff durchzogen: Orgelspielen heißt einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen manifestieren.“ (Deutsche u. Französische Orgelbaukunst, S. 38)

So erklinge die Liebfrauenorgel als Sinndeuter und Sinnvermittler in dienender Verkündigung über den bloßen ästhetischen Genuss hinaus zum Lobpreis Gottes, zur Freude und Andacht der Zuhörer und führe hin zu jenem "großen Geheimnis, dass wir Gott nennen". (Karl Rahner)
KARL KLINKE

Auszeichnung

Tafel neben dem Haupteingang
1965 wurde die Liebfrauen-Kirche durch den hessischen Staat ausgezeichnet. Inschrift: Dieser Bau wurde vom Hessischen Staat als vorbildliche Leistung ausgezeichnet. 1965
Die Tafel ist am Haupteingang angebracht.
Letzte Änderung am 16.10.2018 - 21:44 Uhr von Peter Funk