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Eindrücke einer Pilgerreise nach Fatima / Portugal

Kalenderwoche 43 im Jahr 2017
23.10.2017 - 29.10.2017

von Sandra Anker (Gemeindereferentin)

Wenn der Nebel sich lichtet – es ist erstaunlich frisch und ausgesprochen neblig in den frühen Morgenstunden des 13. Oktober 2017 in Fatima / Portugal auf dem Platz der Erscheinung. Hier ist vor 100 Jahren Maria drei Kindern erschienen – von Mai bis Oktober 1917. Auf die Begegnungen mit der Gottesmutter wurden die drei Kinder bereits 1916 durch Engel vorbereitet und im Oktober 1917 hat sich die lichte Gestalt als Maria zu erkennen gegeben.
Viele Hunderttausende sind auf den Feldern zusammengekommen, sie wollten mit erleben, was die Kinder sehen und wurden so Zeugen eines Sonnenwunders, das von den Anwesenden so beschrieben wurde: Nach einem Regenguss brachen die Wolken auf und die Sonne erschien als eine undurchsichtige, sich drehende Scheibe am Himmel. Sie sei erheblich weniger hell als gewöhnlich gewesen und habe bunte Lichter auf die Landschaft und die Anwesenden und Wolken geworfen. Danach habe sie sich zur Seite geneigt und in einem Zickzackkurs auf die Erde zubewegt, worüber einige der Anwesenden so erschraken, dass sie dachten, das Ende der Welt stehe bevor. Die Augenzeugen berichteten, dass der vom Regen nasse Boden und ihre Kleidung binnen der ungefähr zehn Minuten, in denen das Ereignis stattfand, trocken geworden seien.
Auch 100 Jahre später kommen an diesem Ort Hunderttausende zusammen, Menschen aus allen Kontinenten, jeglichen Alters. Sie singen und beten gemeinsam, feiern Gottesdienst. Der Glaube verbindet über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg.
Haben die Ereignisse von vor 100 Jahren auch noch etwas mit uns heute zu tun? Die Seherkinder Francisco und Jacinta Marto lebten in einfachen Verhältnissen auf dem Land, wie es damals üblich war. Das Haus der Familie, das wir besucht haben, führte uns hinein in diese Zeit – niedrige Decken, offene Feuerstellen, keine Betten. Auf den Feldern haben die Kinder auf die Tiere aufgepasst. Von den Ereignissen in Europa, die Auflösung des Feudalsystems, den Ersten Weltkrieg, all das war für die Kinder weit weg gewesen. Doch Gott will in diese Welt hineinwirken und spricht zu denen, die wir Menschen erst mal gar nicht im Blick haben.
Die Botschaft, die Maria überbracht hat, ist klar: Gott ist nicht fern, darum betet, besonders auch für diejenigen, die nicht oder nicht mehr an Gott glauben können. Eine Bitte, eine Aufforderung, die heute genauso aktuell ist wie damals.
Gott wirbt darum, im Leben jedes Einzelnen ernst genommen zu werden. Nicht mal schnell mit einem Vater unser abgefertigt zu werden, sondern er möchte das Fundament des Alltags sein, wirbt darum, mit seiner Liebe und Barmherzigkeit ernst genommen zu werden.
Ich bin davon überzeugt, dass eine Gesellschaft ohne Gott kälter und ignoranter ist. Das christliche Menschenbild, dass jeder Mensch, jedes Geschöpf – ja die ganze Schöpfung – gottgewollt ist, hat so viel Kraft und trägt so viel Freude und Frieden in sich. Es ist diese grundlegende Haltung, die ein friedvolles Miteinander möglich macht. Wir sind alle eine große Menschheitsfamilie und leben in diesem einen Haus – unserer Erde.
Am 13. Oktober 2017 zur 100-Jahr-Feier der Erscheinungen waren Hunderttausende auf dem Erscheinungsplatz in Fatima – im Laufe des Gottesdienstes, beim gemeinsamen Singen, Beten und Eucharistiefeiern bricht die Sonne durch den Nebel hindurch und strahlt in voller Pracht – die Botschaft von Fatima ist eine Botschaft des Lichts und der Liebe Gottes zu uns Menschen.
Weiter Eindrücke zur Pilgerreise unter https://www.facebook.com/bistumlimburg/.