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Erstkommunion. Erstkommunion?

Kalenderwoche 16 im Jahr 2018
16.04.2018 - 22.04.2018

von Andreas Unfried (Pfarrer)

Erstkommunion. Erstkommunion?
„Sonntag ist Erstkommunion. Da gehe ich nicht in die Kirche.“ Sagt meine Mutter, die sonst immer geht. Und nicht deshalb, weil sonst nicht genug Platz für die Kommunion-Familien wäre. Gibt´s ja durchaus, dass Kirchen zu klein sind, wenn plötzlich die ganze Verwandtschaft anrückt. Und wenn die schon mal kommen oft von weither, dann sollen sie ja auch bei der Hauptsache dabei sein. Und nicht bloß beim Essen und den Geschenken. Aber die Kirche meiner Mutter ist groß genug, bei weitem. Und es sind auch gar nicht mehr so viele Kinder wie früher.
Es ist mehr, dass sie sich fremd fühlt in diesem Gottesdienst. Und der Rummel ist ihr zu groß. Mit Fotografen und all der Aufregung und der Spannung, die in der Luft liegt: ob auch alles klappt, ob kein Kind umkippt, ob alle pünktlich hinkommen und so weiter.

Naja, da haben wir in den letzten Jahren viel versucht, um die Sache im Rahmen zu halten. Fotografiert wird nur von einem Profi. Und der macht es unauffällig und weiß, wenn er sich zurückzuhalten hat. Und die Liturgie ist einfach und kindgemäß. Keiner muss fürchten, dass er seinen Text nicht weiß oder seine Rolle nicht füllen kann. Und trotzdem…

Trotzdem tut sich bei der Erstkommunion eine Art Kluft auf: zwischen der Gottesdienstgemeinde und dem Leben vieler Familien heute. Klar, wo die Kinder Messdiener oder Messdienerinnen sind, da ist die Distanz oft geringer. Aber manchmal bleibt es beim weiten Abstand zwischen der Gemeinde und ihren Erwartungen an „den Nachwuchs“ und den Familien heute. Das ist eine Herausforderung für beide Seiten, glaube ich. Für die Familien, denen Kirche und Glauben fremd geworden sind. Für die Gemeinden nicht minder. Denn wem sonst sollten wir die Frohe Botschaft ausrichten, wenn nicht denen, die von ihr noch nicht oder nicht mehr berührt werden?

Erstkommunion ist dafür sicher nicht einfach die Antwort. Aber ein Moment im Jahr, der die Fragen offen hält. Auch nicht wenig.

Pfarrer Andreas Unfried