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Gemeindeleitung im Team

Lokale Kirchenentwicklung – alternative Formen der Gemeindeleitung

Die Kirche befindet sich im Umbruch. Alte Rahmenbedingungen ändern sich. Gemeinden werden zusammengelegt; es stehen immer weniger hauptamtliche pastorale Mitarbeiter zur Verfügung. Auch die Frage der Gemeindeleitung wird sich immer drängender neu stellen. Deshalb gilt es nach Anregungen und Modellen zu suchen, die alternative Formen von Gemeindeleitung ermöglichen, um eine lokale Kirchenentwicklung in Oberursel zu fördern und zugleich der durch das Konzil neu entdeckten Taufgnade aller Getauften und Gefirmten besser gerecht zu werden. Anregungen hierfür können Impulse aus der Kirche Frankreichs und einzelner deutscher Bistümer sein.
Die Projektgruppe „alternative Gemeindeleitung“ aus Mitgliedern der Pfarrei St. Ursula sucht nach Impulsen und Konzepten, die auch hier umsetzbar sind.

Zu diesem Thema fand am 13. September 2016 ein Forum statt.
Mehr zu diesem Forum finden Sie hier.

Kirche - Das geht gar nicht!

Kirche geht!
„Das geht gar nicht!“ selbst bis in die internationale Politik hat es diese umgangssprachliche Formulierung im Rahmen der NSA-Affäre im vergangenen Jahr gebracht.
Für viele Menschen hierzulande geht Kirche gar nicht mehr – gerade nach den Skandalen des Jahres 2013. Und sie ziehen die Konsequenz daraus, in dem sie gehen und austreten. Viele Menschen sind, bis in den inneren Kern von der Kirche enttäuscht, weil in ihr offensichtlich nichts weitergeht, weil diese Kirche nicht mehr geht, sondern stehen geblieben ist. Kirche, wie wir sie kennen, geht nicht mehr. Sie funktioniert nicht mehr. Kirche vergeht, wenn sie bleibt.
Aber es gilt auch umgekehrt: Kirche bleibt nur, wenn sie geht. Ja sie wächst sogar! Viele Christen in der Welt machen die Erfahrung: Kirche geht! Es ist eine Kirche, die sich auf den Weg macht, die in Bewegung kommt.
Kirche geht! - Wie sieht das aus? Kirche geht, so sie in den Spuren Jesu unterwegs ist, so sie bei ihm uns seinem Evangelium in die Schule geht und immer wieder neu auf sein Wort hört. Und Kirche bleibt am Leben, wo sie am Leben bleibt, das bedeutet, nah am Leben der Menschen dran bleibt. Das meint einen ehrlichen Dialog und Dienstleistung am Leben. Eine Kirche die geht, ist eine Kirche der Beteiligung. Getaufte Christen gestalten und entscheiden aus ihren Begabungen heraus Kirche an dem Ort mit, wo sie leben. Das braucht Vertrauen, Kommunikation und Ermutigung.
Wir haben uns umgesehen und machen die Erfahrung: Ja, Kirche geht! Sicher anders als bislang, aber mit neuer Dynamik.

Unsere ersten Erkundungen haben ergeben, dass wir weiter folgende Themen angehen wollen:

Wie können Ortsausschuss und Gemeinde-Equipe sinnvoll miteinander verknüpft werden?
Die bestehenden synodalen Strukturen in St. Ursula sollen nicht aufgegeben werden. So muss die Frage gelöst werden, wie der Ortsausschuss und die Idee einer „Gemeinde-Equipe“ miteinander sinnvoll verbunden werden können, so dass es nicht ein Nebeneinanderher bzw. einer Konkurrenz bzw. Wertigkeit gibt.

Ein Menatlitätswechsel ist nötig!
Unabhängig von der Entwicklung einer konkreten Struktur, muss verstärkt ein Mentalitätswechsel hin zu einer Kirche der Beteiligung an verschiedenen Stellen befördert werden. In den Fronleichnamsgottesdiensten soll das Thema „Gastfreundschaft“ als ein Baustein aufgenommen werden.

Visionsarbeit ist notwendig.
Es gilt eine Vision für die Gemeinden in der Pfarrei, die sich als Teil einer Kirche der Beteiligung verstehen, zu entwickeln. Dieses Leitbild sollte für die konkreten Bereiche „Begegnung und Gastfreundschaft (Dialog mit der Gesellschaft)“, „Solidarität und Nächstenliebe“, „Glaubenszeugnis und Glaubensvertiefung“, „Gebet & Glauben feiern“ eine Vision enthalten. Dabei geht es weniger um die konkret formulierten Sätze, sondern eher um den Prozess der Erarbeitung und der damit verbundenen Bewusstseinsbildung und Beteiligung.

Wie kann Leitung in einer solchen Kirche der Beteiligung im Zusammenspiel von Hauptamt und Ehrenamt und Ehrenamt und Gemeinde gestaltet werden?

Qualifizierung!
Für die Aufgaben der Leitung ist eine Qualifizierung dringend notwendig. Die „summerschool“ des „Kirchenkurses“ könnte hierzu ein erster Schritt sein. Weiter Angebote müssen aber folgen.

Verzahnung mit dem Pastoralteam
Das Pastoralteam der Hauptamtlichen hat immer einen Informationsvorsprung und mehr zeitliche Ressourcen. Das birgt die Gefahr in sich, dass wirkliche Beteiligung auf der Strecke bleiben kann. Eine enge Kommunikation zwischen Pastoralteam und den synodal Verantwortlichen muss entwickelt werden.

Kommunikations- und Entscheidungswege
Strukturen für eine transparente und schnelle Information zu entwickeln, ist notwendig für die Aufbau einer Kirche der Beteiligung.

Verhältnis zu den Kleinen Christlichen Gemeinden
Hier wurde deutlich, dass es nicht um eine neue Alternative (als Ersatzmodell) geht, sondern, das KCG nach wie vor in den Gemeinden als lebendige Gruppen des Glaubens wichtig sind. „Gemeinde Equipes“ finden auch auf einer geistlichen Grundlage des Teilens des Evangeliums zusammen, haben aber eine grundsätzliche Aufgabe, nämlich die Leitung der Gemeinde gemäß den im Leitbild formulierten Grundsätzen.

Mathias Wolf, Diakon

„Kirche geht auch anders“ – Zu Besuch beim Petrus-Modell in St. Marien Bonn

Die Gemeinde St. Marien im Norden Bonns hat sich auf den Weg gemacht, der Kirche ein neues Gesicht zu geben. Mit einer Gruppe Interessierter aus dem Arbeitskreis „alternative Gemeindeleitung“ aus St. Ursula sind wir an einem Samstagnachmittag nach Bonn aufgebrochen, um uns über diesen interessanten Weg erster Hand zu informieren. Pfr. Peter Adolf stand uns als ehemaliger Pfarrer der Gemeinde St. Marien zum engagierten Austausch zur Verfügung. Es war ein interessanter Einblick in den Wachstumsprozess einer neuen Art Kirche zu sein.
Ausgelöst wurde die Entwicklung in St. Marien durch Anregungen aus der französischen Diözese Poitiers, die bereits vor 25 Jahren sich auf den Weg gemacht, einen neuen Weg der Pastoral zugehen. Dieser ist stark geprägt vom gegenseitigen Vertrauen und der Sehnsucht danach, das Evangelium in den konkreten Lebensbereichen wirken zu lassen. Es hat sich gezeigt, dass das das Leben verändert und wachsen lässt.
Die Gemeinde St. Marien in Bonn wollte für sich dieser Spur folgen und hat so das „Petrus Modell“ entwickelt. Aber was verbirgt sich hinter diesem „Petrus-Modell“?
Es ist vor allem das Stichwort „Vertrauen“, das das gemeinsame Wirken prägt. Sodann ist es eine „Kultur des Rufens“, die darauf wert legt, die Begabungen der Getauften Glieder der Gemeinden zu entdecken und zu fördern. In der konkreten Struktur ist je ein Getaufter oder eine Getaufte berufen worden für einen Lebensbereich der Gemeinde in einer „Gemeinde-Equipe“ mitzuwirken. Aufgabe dieser Equipe ist es, das Evangelium in der Nähe der Lebensbereiche der Menschen, die auf dem Gebiet der Gemeinde leben, zur Sprache zu bringen und zu entdecken. Die Gemeindeequipe wird von einem gewählten Moderator geleitet. Ihr zur Seite steht ein hauptamtlicher pastoraler Mitarbeiter des Pastoralteams. Die Equipe übernimmt so die Gemeindeleitung für 3 Jahre.
Bei unserem nächsten „Forum St. Ursula“ am Montag, den 17. Februar in St. Crutzen werden wir ein wenig von unserem Besuch in Bonn und unseren Eindrücken dort berichten. Wir waren ganz fasziniert von den Möglichkeiten, die sich für die Gemeinden im Bonner Norden ergeben haben. Mit vielen Eindrücken und Ideen sind wir zurückgefahren und dabei immer die Frage: Wie können wir das bei uns umsetzen? Es war eine Reise zu einer Kirche im Werden!

Kontakt

Foto Mathias Wolf

Mathias Wolf

Diakon

Telefon: 06171 97980-36
Telefax: 06171 97980-43

Letzte Änderung am 03.10.2016 - 12:17 Uhr von Knut Schröter