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Kirche St. Petrus Canisius Oberstedten

Anschrift:

Landwehr 3
61440 Oberursel

Öffentlicher Nahverkehr

RMV - Bus Nr. 41 Richtung Oberursel-Oberstedten, Hans Mess-Straße


Pfarrkirche St. Petrus Canisius
St. Petrus Canisius
Dies ist das Haus des Herrn,
fest gebaut und gut gegründet
auf einem starken Felsen.

Aus der Geschichte

Die katholische Gemeinde in Oberstedten ist noch jung, aber das Dorf Oberstedten kann schon auf eine lange Geschichte zurückblicken. In einer alten Urkunde aus der Zeit um 781 wird es zum erstenmal erwähnt. Die neue Katholische Gemeinde entstand also auf altem, historischem Boden und kann auch an eine alte, auf diesem Boden gewachsene Tradition anknüpfen.
Oberstedten hatte schon 876 eine Kirche, wenn die von Ludwig dem Deutschen der Salvatorkapelle in Frankfurt geschenkte Kirche in Steti (Niddagau) dafür angesehen werden darf.
Erstmals wird 1229 ein Friedrich, Kaplan in Oberstedten, als Zeuge bei einer Urkunde genannt. Mit Datum vom 29. Juni 1366 besiegelt Herr Hermann von Siegen, Pfarrer zu Oberstedin (Oberstedten), zwei Schuldurkunden des Edelknechts Heinrich von Stedin gegenüber den Rittern Johan Brendil von Hohinberg und Johan Huser von Hohinberg.
Oberstedten gehörte damals kirchlich zum Erzbistum Mainz. Aber das bei Friedberg gelegene Prämonstratenserkloster Ilbenstadt, das im Jahre 1123 gegründet worden war, hatte das Patronatsrecht über die Pfarrei Oberstedten, d.h. das Recht und die Pflicht, für die Seelsorge einen Pfarrer anzustellen. In einem Brief vom 1. November 1361 schreibt der Probst zu Ilbenstadt dem Pfarrer Heinrich „in unserer Kirche in Oberstedten“, er wolle auf des letzteren und dessen Pfarrkinder Bitten hin bis auf Widerruf gestatten, dass Priester der Mainzer Diözese, auch wenn sie nicht dem Prämonstratenserorden angehören, in der Pfarrkirche und in der Kapelle (zu Oberstedten) und im zugehörigen Sprengel die Messe feiern und die Sakramente spenden dürfen.
Herr Euchardus de Lychnawe, Priester der Mainzer Diözese, Leutpriester (wie der die Seelsorge ausübende Pfarrer genannt wurde) der Pfarrkirche in Steden superiore (Oberstedten), gelobt am 31. August 1391 zu Friedberg in Gegenwart des Priors von Ilbenstadt, des Notars und anderer Zeugen freiwillig und feierlich:
1. Ohne Zustimmung des Probstes bzw. seines Rechtsnachfolgers seine Pfründe weder zu vertauschen noch zeitweilig einem anderen zu überlassen.
2. Die ihm anvertrauten Landleute gebührend zu leiten und selbst ehrbar zu leben
3. Sorgfältige Nachforschungen über die jährlichen Einkünfte seiner Kirche anzustellen, dieselben aufzuzeichnen und ungekürzt und aufrichtig dem Probst in Ilbenstadt mitzuteilen.
Eine Urkunde vom 20. Mai 1423 nennt Johannes Lesche als Pfarrer zu Obersteden und zu Hoenberg (Bad Homburg). 1476 werden folgende Geistliche genannt: Johann Hoenberg als Pfarrer zu Obersteden, Diederich, genannt Meyencrancze, als Altarist, Eberhart Erlenbach als Frühmesser. Die durch den Tod des Pfarrers Johannes Lesche vor längerer Zeit frei gewordene Pfarrei erhält durch Papst Alexander VI. als neuen Pfarrer Johannes Althen von Ursell, Priester des Domstifts zu Mainz, zugewiesen. Die Einkünfte werden auf drei Mark Silber geschätzt. „Geben zu Rohm bey S. Peter im Jahr 1498 dem 30. Novembris, im 7. jahr unseres Bäpstlichen Stuels“ (Abschrift aus der Mitte des 16. Jahrhunderts). Die Übertragung der beiden Kirchen (zu Oberstedten und Homburg) an den neuen Inhaber, Johannes Althen von Ursell, erfolgt 1499.
Wie aus verschiedenen Urkunden des 14. und 15. Jahrhunderts hervorgeht, gehörte in dieser Zeit die benachbarte Stadt Homburg, damals Hoenberg genannt, zum Seelsorgebezirk der Pfarrei Oberstedten. In Homburg gab es zwar eine Kapelle, aber die Kinder mussten zur Taufe in die Pfarrkirche zu Oberstedten gebracht werden. Ebenso mussten die Schüler zum Religionsunterricht nach Oberstedten kommen. Die Stadt Homburg und besonders Ritter Johannes Brendel de Hoenberg wandte sich deshalb an den Erzbischof von Mainz, dass der Weg nach Oberstedten bei "Witterungsunbilden", zumal im Winter, für die Kinder und Schüler gefahrbringend sei und den Tod von Täuflingen vor der Taufe verursachen könne. Auf diese ernsten Vorstellungen gibt Erzbischof Konrad von Mainz am 20. Mai 1423 die Erlaubnis, dass die Homburger Einwohner ihre Kinder in der Kapelle zu Homburg taufen lassen können.
Im Jahre 1525 ist Pfarrer Berg zum evangelischen Glauben übergetreten. Es wurde nun in Oberstedten wie auch in Homburg die Reformation eingeführt. Seitdem war Oberstedten eine evangelisch-lutherische Gemeinde.

Werden und Wachsen der katholischen Gemeinde in Oberstedten

Erst in den letzten Jahrzehnten sind wieder katholische Bürger nach Oberstedten gekommen. Zunächst waren es nur einige wenige, die nun, umgekehrt wie im Mittelalter, zur Pfarrei St. Marien in Bad Homburg gehörten und zum Gottesdienst den weiten Weg dorthin zurücklegen mussten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Zahl der Katholiken in Oberstedten von Jahr zu Jahr größer. In Dornholzhausen hatte die Pfarrei St. Marien 1950 eine St. Hedwigs-Kapelle erbaut, die von den Gläubigen Oberstedtens gern besucht wurde. Obwohl der Weg zur St. Hedwigs-Kapelle recht mühevoll war, sind ihn viele Sonntag für Sonntag in Treue zu ihrem Glauben und ihrer Kirche gegangen.
Vom 19. - 29. Mai 1969 haben zwei holländische Kapuziner-Patres eine Kapellenwagen-Mission durchgeführt. Bei dieser Mission wurde offenbar, wie stark die kleine Herde in Oberstedten inzwischen angewachsen war. Die Gemeinde zählte bereits 450 Seelen. Über 100 Gläubige sind regelmäßig zu den Gottesdiensten und Predigten am Kapellenwagen, der in der Taunusstrasse in der Nähe des heutigen Kirchplatzes aufgestellt war, gekommen. Die beiden holländischen Patres hatten sich trotz ihrer sprachlichen Schwierigkeiten bald die Herzen erobert.
Die Kapellenwagen-Mission war ein Markstein in der Geschichte der jungen Gemeinde in Oberstedten. Sie hatte zum ersten Male alle katholischen Gläubigen im Dorf zusammengeführt und ihre Gemeinschaft erleben lassen. Jetzt wurde der Ruf nach einem eigenen Gotteshaus in der Gemeinde noch lauter und drängender.
Bischof Wilhelm Kempf hat dann mit Wirkung vom 1. Dezember 1960 Oberstedten von St. Marien abgetrennt und als neue Kirchengemeinde errichtet, die zusammen mit der durch das gleiche Dekret neu errichteten Kirchengemeinde St. Hedwig in Oberursel einen Seelsorgebezirk bildete. Am 16. Februar 1961 wurde als erster Seelsorger der neu errichteten Pfarrgemeinde Pfarrvikar Franz Glitz ernannt.
Worauf die Katholiken Oberstedtens seit Jahren gewartet hatten, war nun endlich Wirklichkeit geworden. Jetzt konnte der innere und äußere Aufbau der Gemeinde beginnen. Mit großer Freude haben die Gläubigen ihren ersten Seelsorger empfangen.
Der erste Gottesdienst wurde in der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche gefeiert. So ist es auch geblieben bis zur Weihe der neuen katholischen Kirche. Die Evangelisch-Lutherische Pfarrgemeinde hat in freundlicher Weise ihre Kirche für den katholischen Gottesdienst an den Sonn- und Feiertagen zur Verfügung gestellt. Das Zusammensein in einem Gotteshaus hat wohl mit dazu beigetragen, dass von Anfang an zwischen der alten evangelisch-lutherischen Gemeinde und der neuen katholischen Gemeinde ein gutes, nachbarliches Verhältnis bestand. Als die Katholiken dann in ihre neue Kirche einzogen, war es ihr Wunsch, dass die vom Geiste Christi geprägte Eintracht und Liebe zwischen beiden Konfessionen weiter lebendig bleibt.
Der Gottesdienst in der evangelischen Pfarrkirche hat die Gemeinde zusammengeführt und zu einer Gemeinschaft werden lassen. Natürlich war das Fehlen eines eigenen Gemeindezentrums für die Entfaltung des Pfarrlebens ein Hindernis. Mit großer innerer Anteilnahme hat die Gemeinde daher das Entstehen der neuen Kirche verfolgt. Das war vor allem zu spüren bei der Grundsteinlegung am 21.10.1962, Der Tag der Kirchweihe am 04.07. 1964 erfüllt den sehnlichsten Wunsch der Pfarrgemeinde: Sie erhält mit einer schönen großen Kirche und einem geräumigen Pfarrheim ihr Zentrum, in dem ihr Leben weiter wachsen kann. Inzwischen war die Zahl der Gemeindemitglieder auf nahezu 900 angestiegen. Der Kirchbau sollte nun auch das sichtbare Zeichen und Symbol für eine lebendige Pfarrgemeinschaft werden.
Letzte Änderung am 25.11.2015 - 15:22 Uhr von Monika Wietschorke