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Pfarrkirche St. Ursula

Anschrift

Sankt-Ursula-Gasse 15
61440 Oberursel

Öffentlicher Nahverkehr

RMV Fahrplanauskunft
Fahrplanauskunft St. Ursula
Buslinie 42 und 45, Haltestelle Marktplatz

Über die Kirche St. Ursula

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Aus der Geschichte

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Archäologische Funde weisen auf eine alte Bautradition in Oberursel hin, die auf Ludwig den Deutschen zurückgeht. In verschiedenen Urkunden wird seit 880 bestätigt, dass er das "monasterium ad ursellam", das ist die Kirche bei Ursel, dem Salvatorstift in Frankfurt am Main geschenkt habe. Dieses Rechtsverhältnis mit dem Frankfurter Dom bestand bis zur Ablösung im 19. Jahrhundert.

Die Bauzeit

Modell der Altstadt mit der Michaels-Kapelle
der heutigen Kirche liegt zwischen der Mitte des 15. Jahrhunderts und dem beginnenden 16. Jahrhundert. Eberhard III. von Eppstein schrieb, man habe mit Gottes Hilfe und der Steuer frommer Christen begonnen, eine neue Kirche zu bauen. An das alte, niedrigere Kirchengebäude wurde zuerst der Chor und die Sakristei gesetzt. Dann hat man die alte Kirche niedergelegt und durch ein neues Langhaus mit vier Jochen ersetzt. 1479 ist dann mit dem fünften Joch und dem Turm begonnen worden, der um 1500 fertig war. Die auffälligen Abweichungen der Achse ergaben sich entweder durch wiederverwendete alte Fundamente oder durch schwierigen Baugrund. Die spätgotische Architektur war von der Frankfurter Dombauschule bestimmt. Alle späteren Veränderungen sind Ausdruck ihres zeitbedingten Stils.

Zwei Zerstörungen während des Dreißigjährigen Krieges haben Kirche und Stadt schwer getroffen. 1622 überfiel Herzog Christian von Braunschweig das Städtchen Ursel und ließ es in Brand stecken. Am Fronleichnamstag 1645 zündete der Kommandant von Mainz Courval aus Rache über erlittene Niederlagen durch die Oberurseler die Stadt an. In die Kirche ließ er drei Wagen Stroh bringen, damit sie besser brannte. Danach waren die Oberurseler bettelarm. Erst 1659 wurde in das Langhaus der Kirche eine flache Decke eingezogen und ein neuer Altar geplant.

Nach dem Brand von 1645

Die Heilige Ursula und ihre Gefährtinnen
war ein neuer Hochaltar notwendig. Der Schreiner und Ratsherr Urban Baader von Oberursel bekam den Auftrag zum Bau des Altares, der 1669 aufgestellt wurde. Die süddeutsch beeinflußte mittelrheinische Portalarchitektur wird im unteren Bereich von den Aposteln Petrus und Paulus flankiert, im oberen Bereich von Andreas und Jakobus. Die Figurengruppe der heiligen Ursula mit ihren elf Begleiterinnen (1959) ist ein Werk von Georg Hieronymi aus Oberursel.

Der Altartisch

Der heutige Zustand des Hochchores und Altarraumes
bildet das Zentrum der Kirche. Das barocke Kreuz zeigt den Platz: Hier feiert die Gemeinde die Eucharistie. Georg Hieronymi entwarf den kleineren Sandsteinblock, der 1980 geweiht wurde. Reliquien der römischen Heiligen Marcellinus und Florentina sind in ihm aufbewahrt.

Von den Chorfenstern sind sechs Bilder aus der Bauzeit erhalten. Sie stammen aus einer unbekannten guten Werkstatt vom Mittelrhein. Im Nordfenster steht St. Ursula. Es ist das älteste Bild der Heiligen in der Stadt. Im Südfenster zeigt Maria, die Gottesmutter durch die doppelgroße Darstellung ihre einstige Bedeutung für diese Kirche. Es folgen St. Antonius der Einsiedler, der Erzengel Michael, St. Georg und der heilige Bischof Valentin. Im untersten Bild erinnert eine Weberkarde zwischen zwei Weberschiffchen an die ehemalige wirtschaftliche Bedeutung der Tuchmacher in Oberursel. Die neugotischen Muster in den übrigen Chorfenstern wurden 1877 hergestellt.

Die Kanzel wird von vier Atlanten getragen. Das Motiv erinnert an das uralte Bild von den starken, wilden Leuten, die sich in den Dienst der Kirche begeben haben. Ungewöhnlich ist ihr Aussehen. Die Männer sind keine Europäer, sondern südamerikanische Indios, die der Kirche Kostbares darbringen. Dafür finden sie im Schatten der Kanzel nicht nur Schutz, sondern tragen sie auch.

Von der Orgel des Johann Conrad Bürgy und seiner Söhne aus Homburg vor der Höhe (1792) ist noch der barocke Prospekt erhalten. Das heutige Orgelwerk wurde 1960 von Förster & Nicolaus in Lich erbaut. Die Orgel erhielt im Jahre 2006 eine vollständige Restaurierung: Die Ausmalung wurde dem barocken Original angenähert. So erstrahlt sie nun in ganz neuem Glanz.

Der Turm

hieß früher die "Hohe Wacht". Er bot Platz für die Glocken und einen Wächter, der auf Feuer und Feinde achten mußte, um mit der Glocke auf dem Umgang Alarm zu schlagen. Der Zugang zum Turm war ursprünglich auf dem Kirchenspeicher, später in der Turmhalle. 1978 wurde der Sockel der Wendeltreppe aufgebrochen, und die Wendeltreppe beginnt seitdem auf dem Kirchplatz. 168 Stufen sind es bis zum Umgang. Dort sieht man an klaren Tagen die nahen Berge des Taunus, in der Ferne Vogelsberg, Spessart und Odenwald sowie den Rhein und das vielfältige Leben in der Ebene. Die Gliederung der Geschosse des Turmes beginnt mit der heute verglasten Halle im Erdgeschoss. Hier steht das alte Kirchhof-Kreuz, das eine Familie Sonderßhauser, aus Salzburg kommend, gestiftet hat. Daneben steht der spätgotische Taufstein, der sich länger außerhalb als in der Kirche befand. Über der Holzbalkendecke, die das ursprüngliche Kreuzgewölbe ersetzt, befinden sich drei Geschosse des Kirchturm-Museums. Sie waren 1942 als öffentlicher Luftschutzraum für die Bewohner der Altstadt zum Schutz vor Fliegerangriffen eingebaut worden. Die dicke Betondecke ist in der darüberliegenden Uhrenkammer zu sehen. Das oberste Geschoss ist die Glockenkammer.

Das große Geläute besteht aus vier Glocken. Die Christopherusglocke (1986) ist die kleinste und jüngste. Die Josefsglocke stammt aus dem Jahr 1954. Die St. Ursula geweihte Glocke datiert aus dem Jahr 1696. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Hamburger Glockenfriedhof wiedergefunden und kam nach Oberursel zurück. Die älteste Glocke von 1508 wird "Maria Krafft" oder "Große Glocke" genannt. Sie wiegt 2600 kg und wurde von Georg Krafft aus Mainz gegossen (ihre Geschichte ist weiter unten zu lesen).

im Turm-Museum.

Die Patronin unserer Pfarrei:

Kirche vor der letzen Innenrenovierung
Seit dem 4. Jahrhundert werden in Köln heilige Jungfrauen und Märtyrerinnen verehrt. Im 10. Jahrhundert nennt ein Gebet aus Köln zum ersten Mal den Namen Ursula. In Oberursel ist die heilige Ursula seit 1315 urkundlich bekannt. Der erstgenannte Pfarrer, Cuno von Hofweisel, nennt sie in seinem Siegel "Sta. Ursela". Bei der Weihe des neuen Chores, vor 1464, wurde St. Ursula, nach der Gottesmutter, zweite Patronin. Auf der Großen Glocke von 1508 wird sie in einem Bild vorgestellt. Seitdem ist St. Ursula alleinige Patronin der Kirche.

Nach der Legende war Ursula eine christliche Königstochter aus Britannien. Ein benachbarter Prinz, Aeterius genannt, begehrte sie zur Frau. Da er kein Christ war, bat Ursula um Bedenkzeit. Mit elf Freundinnen wollte sie auf einer Wallfahrt nach Rom eine Antwort finden. Auf der Rückreise begegneten Ursula und ihre Schar in Mainz dem Prinzen Aeterius, der aus Liebe Christ geworden und Ursula entgegengereist war. Gemeinsam fuhren sie mit einem Schiff rheinabwärts gegen Köln, wo sich ihnen die kriegerischen Hunnen entgegenstellten. Diese töteten die Wallfahrer wegen ihres christlichen Glaubens, die Hunnenhorde erschoss Ursula und ihre Begleiterinnen mit Pfeilen. So wurde ein Pfeil das Symbol für ihren Märtyrertod.

Die Heilige Ursula als Fensterbild
Die älteste Darstellung der hl. Ursula im Gebiet der Stadt Oberursel befindet sich im linken Chorfenster der Kirche. Sie stammt aus der Bauzeit der Kirche. Den Gedenktag der Heiligen Ursula feiert die Kirche am 21. Oktober.

Legenden der Ursula-Kirche

Der "Flennels". An der Außenwand der Kirche, über dem Aufgang zur Empore war ein Kopf aus Sandstein eingemauert, der für eine weinerliche Frau gehalten und "Flennels" genannt wurde. Weinen heißt hierzulande "flennen", also die "flennende Else". Als bekannt wurde, dass der Kopf eine Gugel, eine Narrenmütze trägt mit Eselsohren und Schellen auf dem Mittelscheitel, war die Überraschung groß. Es hieß, das wäre der Ritter EIz von Domstein. Er wollte die Ehre der heiligen Ursula herabsetzen, die die Oberurseler gerade zur Stadtpatronin erwählt hatten. Man ächtete ihn dafür als Narren, und sein Bild wurde zur Mahnung in die Kirchenwand eingelassen. Heute hängt dort eine Kopie, das Original befindet sich im Turm-Museum.

Die große Glocke

Der harmonische Klang der Großen Glocke gefiel nicht nur dem Landgrafen von Homburg, der Oberursel deshalb seinem Territorium einverleiben wollte, sondern auch der Frankfurter Bürgerschaft. Als die Glocke nach dem furchtbaren Brand 1645 vom Turm gestürzt war und die Oberurseler in großem Elend waren, wollte der Senat der Stadt Frankfurt die Glocke kaufen. Er bot den Oberurselern soviele Goldstücke an, als im Bauch der Glocke Platz fanden, und hoffte auf ein Nachgeben der Oberurseler. Ratsherr Eckart und der junge Widerholt waren ganz und gar dagegen, stiegen noch in der Nacht über die Stadtmauer und eilten zum Amtmann nach Königstein. Der riet den beiden, die Glocke erst einmal vom Schutt zu befreien. Als diese wieder ertönte, wussten die Bürger, welchen Schatz sie besaßen, und ließen sich vom Gold nicht blenden. Die zweite Rettung der Glocke fand 1986 statt. Das Gewicht der Glocke sollte geprüft werden, dabei wurde ein schmaler Riss entdeckt. Ein weiteres Läuten wäre das Ende der Glocke gewesen. So wurde sie repariert, und ihr Klang blieb erhalten.

von: Josef Friedrich
Die restaurierte Bürgy-Orgel thront auf der Empore
Letzte Änderung am 03.01.2016 - 00:25 Uhr von Peter Funk