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Hedwistaner entern die Bütt – Segel neu gespannt bei Sitzung im Hedwigsheim

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„Olli, Olli, hol die Orden raus“, so skandierte das meist als Piraten verkleidete Publikum im Hedwigsheim zum Chorus von Hulapalu zusammen mit Stefan Strobel und Matthias Decker, die als Pippi Langstrumpf und ihr Papa den musikalischen Mittelpunkt der diesjährigen Hedwistaner-Fassenacht bildeten. Und Piratenkapitän Oliver Pollmeier sowie sein Steuermann Christian Peter als Sitzungsmoderatoren-Team öffneten die Schatzkiste mit den Flaschenpost-Orden im Glanz der untergehenden Sonne und im Schatten ihres Schiffes. Neue Gesichter enterten die Bütt und die Tanzbühne, altbekannte Haudegen lieferten überzeugende Darstellungen. Musik und Tanz wechselten sich Schlag auf Schlag ab in einem rund vierstündigen Programm mit viel Witz und Schwung. Auch der Oberurseler Faschingsprinz Karsten 1. mit seinem Gefolge, das Bommersheimer Kinderprinzenpaar sowie die Bad Sodener Prinzessin Sodenia die 70. machten ihr Aufwartung.
Zu Beginn brachten Liv und Ida Decker schon zum zweiten Mal ihren Vater Matthias zur Verzweiflung mit ihren frechen Anmerkungen auf seine Fragen rund um die Probleme in der Pubertät. Wenn das Zimmer erst aufgeräumt wird, wenn das WLAN nicht mehr durchkommt; wenn Hausfrauen im Suff (SUV) fahren; wenn nach Impfstoffen gegen Pubertät gesucht wird – die Mädchen freuten sich über spontane Standing Ovations und Rakete Nummer 1 gleich am Anfang der Sitzung.
Tänzerisch überzeugten im Verlauf der Sitzung insgesamt drei Beiträge der Crazy Monkeys von der FKG Riederwald – Gina Hipp als Tanzmariechen, dazu Tanzgarde und Showtanztruppe. Alle Choreographien begeisterten den Saal, die Musikauswahl war spitze.
Willi Mannheim griff zur Trompete und spielte getragen „deutlich schneller, als Merkel eine Regierung bildet.“ Mit geschliffenen Schüttelreimen und präzisen Pointen („wieder ein unbemannter Flug in den Weltraum – mit drei Frauen“) wusste er zu überzeugen und nahm die Politik aufs Korn.
Das Duo Strobel/Decker riss den Saal bis zur gemeinsamen Abschlusspolonäse mit, bevor sie mit „Wannsee“ die Pirateninsel verließen. Zurück blieb die Erinnerung an ihre Lieder Westerland („Wo hörst du de O-Bach rausche“), Despacito („Mach mal Video“ – der vierminütige Disput von Schiri mit Köln), Kölsche Jungs („Tes-tos-tos-teron“ – mit Stadionatmosphäre beim Gesang der verschiedenen Tischreihen), einem politischen Seefahrer-Medley sowie der Aufforderung zur aktiven Mitarbeit im Hedwistaner-Fassnachts-Team mit Hulapalu („Helau und Du!“).
Cornelia Synek, Pfarrerin der Heilig-Geist-Gemeinde, versetzte sich in die Rolle von Noah, der heutzutage von Gott den nochmaligen Auftrag zum Arche-Bau bekommt. Betriebsgenehmigungen, Baupläne für Werften in Wohngebieten, Beachtung der Frauenquote bei Produktion und Besetzung machten deutlich: Heute würden wir absaufen.
Bettina Koob wurde für über 40jährige Mitgestaltung als Rednerin, Sängerin, Dekorationsgestalterin, Tänzerin, und Elferrätin mit dem Goldenen Vlies der Hedwistaner ausgezeichnet. Auch ihre zwei „Quetsche-Liesl“-Beiträge zum Schunkeln überzeugten instrumentell – die Stimme hatte schon Fassnachts-Tribut gezollt.
Alexander Ruppel sorgte für eine neue, frische Brise in der Bütt: Er outete seinen Vater als übertechnisierten Digital-Amateur, der beim „Nacktschnecken“-Googlen scheiterte, von Alexa aus dem Haus ausgesperrt wurde und für die PC-Schädlingsbekämpfung den Auftrag an Vogt & Sommer gab. Die Piraten honorierten sein Debüt bei den Hedwistanern mit viel Applaus.
Stefan Strobel als Winnetou von Hedwistan ritt mit seinem Pferd Litschi ein und gab zunächst den Schlachtruf „Hau-Lau“ vor. Karl Mays Liebe zu den Oberurseler Orten Goldgrube, Forest Fun (Waldlust) und Whitechurch (Weißkirchen) brachte den Schriftsteller dazu, Winne-One und dann Winne-Two zu schreiben. Strobel beschrieb sein Treffen mit seinem alten Freund Manfred („Manni, du!“), der ihm als Frisör drei verschiedene Frisuren bis hin zur Glatze verpasste, die Winnetou aus seinem „Tipp-Ex“ holte. Der Saal war begeistert angesichts der Pointen und Ideen, die er nach mehreren Jahren Solo-Pause bei den Hedwistanern brachte.
Zum Abschluss stürmten die „Dancing Pirates“ (siehe Foto) die Pirateninsel. Die drei Paare Weber, Scheidemann und Völkening, die sich in der Tanzabteilung des Schwimmclubs Oberursel gefunden hatten, boten eine starke Premieren-Leistung, so dass zum Schluss ihr „Steh` auf – mach laut!“ alle von den Sitzen riss.
„Wann seh´, „wann seh`, wann seh´n wir uns endlich wieder – nächst` Jahr komm wir zurück.“ Pollmeier und Peter meisterten ihr Debut als Moderationsduo zusammen mit ihrer Mannschaft hervorragend. So legten die Hedwistaner ab und hinterließen das Publikum mit dem Gefühl, eine richtig tolle Sitzung erlebt zu haben.
Matthias Decker