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Hildegard - eine Frau mit Vison

Kalenderwoche 38 im Jahr 2017
18.09.2017 - 24.09.2017

von Mathias Wolf (Diakon)

Hildegard - eine Frau mit Vison

Am 17. September 1179 stirbt Hildegard von Bingen. Heute ist ihr Gedenktag.
Was war sie für eine Frau?
1098 wird sie in Rheinhessen in einer großen, aber wohl auch begüterten Familie geboren. Bereits als Kind kommt sie ins Kloster. Von dieser Zeit an hat sie Visionen.
Erst mit über 40 Jahren traut sie sich aufzuschreiben, was sie sieht.
Hildegard beschreibt es so: „Ich sehe … diese Dinge nicht mit den äußeren Augen und höre sie nicht mit den äußeren Ohren, auch nehme ich sie nicht mit den Gedanken meines Herzens wahr noch durch irgendwelche Vermittlung meiner fünf Sinne. Ich sehe sie vielmehr einzig in meiner Seele mit offenen leiblichen Augen, so dass ich dabei niemals die Bewusstlosigkeit einer Ekstase erleide, sondern wachend schaue ich dies, bei Tag und Nacht. ... Das Licht, das ich schaue, ist nicht an den Raum gebunden. Es ist viel, viel lichter als eine Wolke, die die Sonne in sich trägt.“
Das klingt wie aus einer anderen Welt, fremd und bisweilen auch überheblich. Diese Erfahrungen und Worte lassen sich nicht einfach in unsere Vorstellungswelt übernehmen.

Die Zeit der Visionen ist sicher nicht vorbei. Sie sehen nur anders aus.
Vision kommt von Sehen. Das meint: im Innern sehen, was (noch) nicht offensichtlich ist. Menschen mit Visionen tragen eine Hoffnung in sich, dass unsere Welt auch ganz anders aussehen könnte; es ist die Ahnung davon, dass es in unserer Wirklichkeit noch mehr zu entdecken gibt, als das auf den ersten Blick Sichtbare. Mit einer Vision wird der Blick in die Ferne gewagt.
Das ist kein „Fernsehen“, wie wir es kennen. Es ist eher ein tiefes Hineinsehen. Es geht um den Blick für das Tiefgründige. Was sehe ich, wenn ich aus dem Fenster schaue? Bäume, Häuser, Menschen, Autos oder sehe ich Gottes Spuren in der Welt?
Hildegard bringt es fertig, in die Ferne zu sehen und gleichzeitig in sich hineinzusehen.

So sieht auch ihr Leben aus. Sie lebt als Nonne in der Abgeschiedenheit der Klöster und doch hat sie die Entwicklungen der Zeit im Blick. Sie mischt sich mit ihrer Energie und Schaffenskraft in die Themen der Zeit ein; wird bei Kaisern und Fürsten vorstellig.

Hildegard – eine Frau mit einer Vision. Sie hat für sich und andere den Himmel offen gehalten und den Blick weit hinaus gewagt.

Einige ihrer Visionen sind zu Bildern geworden. Unter http://www.landderhildegard.de


Mathias Wolf, Diakon