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Geprägte Zeit

Kalenderwoche 7 im Jahr 2018
12.02.2018 - 18.02.2018

von Kerstin Kilb (Pastoralreferentin)

„Der größte Feind des Menschen wohl, das ist und bleibt der Alkohol. Doch in der Bibel steht geschrieben: Du sollst auch deine Feinde lieben.“ Helau!
Ganz schön paradox, was in diesem geflügelten Wort (frei nach Mt 5,44) hier ausgesagt wird, und ich meine, genau deshalb, wunderbar passend.
In dieser Woche, die sich vom Höhepunkt der „fünften Jahreszeit“ über den Aschermittwoch hinein in die österliche Fastenzeit erstreckt, steckt jede Menge Kontrast. Vom gesellschaftlich anerkannten harmlosen Tabubruch mit der Absicht, Grenzen zu übertreten, Obrigkeiten zu verballhornen und mithilfe von legalen Genussmitteln in Maßen über die Stränge zu schlagen bis zum Aschenkreuz, das die Reue, Vergänglichkeit und Hinwendung zu Gott in den Mittelpunkt stellt.
Mir fällt keine andere Zeit im Jahresverlauf ein, die sich so gegensätzlich zueinander verhält wie Fastnacht und Fastenzeit. Und doch gehören beide gerade wegen ihrer Gegensätzlichkeit zusammen, sind einander zugeordnet.
Ohne die nachfolgende Fastenzeit wäre nämlich die ausgelassene Fastnachtszeit gar nicht denkbar, weil Fastnacht ein Schwellenfest vor dem Aschermittwoch ist und durch den Kontrast dazu beiträgt, die so andere Prägung der Fastenzeit umso deutlicher zu erleben.
Die Fastenzeit ist eine Übergangszeit auf Ostern hin, die wir als Christen nutzen sollen, um unsere Beziehungen zu pflegen. Und zwar in mehrerlei Hinsicht:
Die Beziehung zu uns selbst und unserem eigenen Körper können wir pflegen durch eine bewusstere Ernährung (z.B. durch Verzicht auf Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol) oder größere Achtsamkeit für eigene Bedürfnisse wie ausreichend guten Schlaf.
Die Beziehung zu unseren Mitmenschen können wir pflegen, indem wir Prioritäten anders setzen (z.B. durch Spielen statt Fernsehen, Spenden statt Sparen, Solidarität statt Zynismus).
Und dies alles kann sich auf unsere Beziehung zu Gott auswirken, der durch die gewonnene Aufmerksamkeit und Freiheit besser zu uns vordringen kann. Das ist der Sinn des Fastens: auf etwas zu verzichten, um dadurch in unseren Beziehungen zu Menschen und zu Gott zu wachsen. Hier gilt paradoxerweise: Mehr durch weniger!
Die Kirche bezeichnet nicht erst die Tage nach Ostern, sondern schon die Fastenzeit davor als sogenannte „geprägte Zeit“.
Wir leben in der Freiheit der Kinder Gottes und können selbst entscheiden, wie wir die uns geschenkten Tage prägen wollen. Sie liegen vor uns wie der Rohling einer Münze. Die Prägung und somit auch den Wert dieser Zeit können wir selbst beeinflussen.
So lade ich Sie ein, jetzt zum Beginn der Fastenzeit zu überlegen und (am besten gemeinsam in der Familie oder einer anderen Gemeinschaft) fest zu legen, wie Sie Ihre sieben Wochen vor dem Osterfest 2018 prägen wollen.
Ich wünsche uns allen einen guten Übergang in die Fastenzeit und wertvolle Wochen des Verzichtens…